Stuttgarter Markthistorie

Ein Weihnachtsmarkt mit großer Tradition

25.12.2015 - Eine Tradition seit mehr als 300 Jahren – der Stuttgarter Weihnachtsmarkt gehört nicht nur zu den schönsten und größten, sondern auch zu den ältesten Weihnachtsmärkten in ganz Europa. Bereits im Jahr 1692 fand er erstmals urkundlich Erwähnung. Seine Wurzeln reichen jedoch noch weiter zurück und zwar bis zu den Anfängen des 16. Jahrhunderts. Aus dem Jahr 1507 ist ein offizielles Marktprivileg bekannt, in dem Herzog Ulrich von Württemberg der Stadt Stuttgart den Einzug des Standgeldes an den Jahrmärkten überlässt. Aller Wahrscheinlichkeit nach handelt es sich bei dem Marktprivileg aber lediglich um die Bestätigung einer bereits bestehenden Befugnis. In dieser wird ein Pferdemarkt an St. Ottmar (16. November) erwähnt, aus welchem sich später ein Jahrmarkt entwickelte, der zeitlich immer näher an Weihnachten heranrückte. Hieraus entstand schließlich ein „Christkindleinmarkt“, der sich von Dienstag bis Samstag vor Weihnachten erstreckte.
Christkindleinmarkt - Vorreiter des Stuttgarter Weihnachtsmarktes
Der Markt erlebte eine wechselvolle Geschichte: So musste er wegen Kriegsunruhen, unsicherer Wege oder grassierender Seuchen immer wieder ausfallen. Der Dreißigjährige Krieg brachte dann allen Verkehr und Handel zum Stocken. Erst nach 1643 hörte man wieder vom Weihnachtsmarkt. Fremden sicherte man zum Weihnachtsmarkt sicheres Geleit für Leib, Hab und Gut zu. Die Stadt durfte Zölle und Standgelder kassieren, musste dafür allerdings die Tag- und Nachtaufsicht übernehmen und die erforderlichen Stände bereitstellen. Marktmeister sorgten für den ordnungsgemäßen Betrieb. Als Entlohnung erhielten sie täglich sechs Batzen sowie einen Morgen- und Zwischentrunk. Nach einer Anordnung von 1644 mussten die Buden in einer Weise aufgestellt sein, dass sie vier Gassen bildeten. Kaufleute mit gleichen Waren sollten Plätze nebeneinander einnehmen. Die Stuttgarter Händler wurden bei der Vergabe von Standplätzen vorrangig behandelt. Noch verfügbare Plätze konnten dann unter Fremden verlost werden. Und als Fremder galt man bereits, wenn man aus dem nahen Esslingen kam.
Erste urkundliche Erwähnung im Jahre 1692
1692 wurde der Stuttgarter Weihnachtsmarkt erstmals als Jahrmarkt urkundlich bestätigt. Damit blickt er auf eine über 300-jährige Geschichte zurück und zählt zu den ältesten in Europa. Ab 1780 wurde der Beginn des Weihnachtsmarktes auf den Dienstag nach dem dritten Adventssonntag festgelegt. Wenige Jahre später stellte man den ursprünglichen Viehmarkt ein und der neue Weihnachtsmarkt erhielt ein unterhaltsameres Jahrmarktgepräge mit Seiltänzern, Zauberern, Gauklern und Spaßmachern. In den dem Markt angegliederten Menagerien führte man dem staunenden Publikum Tanzbären, Elefanten, Tiger und Zebras vor. Auch die mobile Ambulanz gehörte zum Weihnachtsmarkt: Hier wurden Zähne gezogen und Krückstöcke verkauft. Der Geschäftsumsatz stieg erheblich und der Weihnachtsmarkt in Stuttgart zog Händler und Besucher von weit her an. 1850 beschickten nicht weniger als 1.200 Händler den Markt.
Der Stuttgarter Weihnachtsmarkt trotzte schwierigen Zeiten
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erschienen neuartige und sensationelle Dinge wie Rasierapparate, Modelleisenbahnen und Grammofone auf dem Markt. Dennoch dominierten die traditionellen Krämermarktartikel wie Geschirr, Kleidung und Hausrat. Selbst in den Kriegsjahren fand der Weihnachtsmarkt jährlich statt. Allerdings musste aus Mangel an Arbeitskräften und Treibstoff auf die Aufstellung eines Weihnachtsbaumes verzichtet werden. In den Nachkriegsjahren fehlte es zunächst an anzubietender Ware und die Stände vor der ausgebrannten Ruine des Alten Schlosses verkauften weitgehend das Vorkriegssortiment. Und selbst nach der Währungsreform waren die Angebote von Wurstbuden, Waffelbäckereien und Lebkuchenständen für viele Besucher ein unerschwinglicher Luxus.
Wachsende Bedeutung für den Tourismus ab den 70er-Jahren
In den frühen 1970er-Jahren erkannte die Stadt die zunehmend wichtige Bedeutung des Weihnachtsmarktes für den Tourismus. Die alten Stände, die aus Klapptischen, Zeltdächern und Planen bestanden, wurden durch einheitliche Holzbuden mit aufwändiger Dekoration ersetzt. Der Markt dehnte sich bis auf den Schillerplatz aus und erhielt seine heutige Größe.
Denn nach wie vor wird Stuttgart Jahr für Jahr zur funkelnden Weihnachtsmarktstadt. Im Sortiment der Händler befinden sich immer noch die traditionellen Krämermarktartikel, doch das Angebot an den inzwischen rund 290 Ständen ist wesentlich vielfältiger geworden: Holzspielzeug, Krippenfiguren, Kunsthandwerk, Schmuck, süße Leckereien und kulinarische Köstlichkeiten aus aller Welt gehören dazu. Aber auch das Rahmenprogramm bietet einiges: tägliche Live-Konzerte, ein großes Kindermärchenland mit nostalgischen Karussells, einer echten Mini-Dampflok zum Mitfahren und vielen Mitmachaktionen wie die Kinder-Bäckerei oder die Kerzen-Werkstatt sowie der Antikmarkt auf dem Karlsplatz machen den Stuttgarter Weihnachtsmarkt besonders.
Mit dem Weihnachtsbaumerleuchten vor dem Königsbau hat der Stuttgarter Weihnachtsmarkt seit 2014 einen weiteren stimmungsvollen Höhepunkt. Im Anschluss an die feierliche Eröffnung im Renaissance-Innenhof des Alten Schlosses verwandeln rund 40.000 energiesparende LED-Lämpchen eine mehr als 28 Meter hohe Tanne auf dem Schlossplatz in einen der höchsten und prächtigsten Weihnachtsbäume Deutschlands. Mehr als 3,5 Millionen Besucher kommen mittlerweile jährlich in die baden-württembergische Landeshauptstadt. Gäste aus dem In- und Ausland treffen sich in deren Herzen, um sich gemeinsam auf die besinnliche Weihnachtszeit einzustimmen.



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