Ein Weihnachtsmarkt mit Tradition

Ein Weihnachtsmarkt mit Tradition

09.12.2013 - Wenn es dunkel wird und der Schnee auf den Dächern der Marktstandln im hellen Glanz unzähliger Lichter leuchtet, dann ist der Münchner Christkindlmarkt auf dem Marienplatz am schönsten. Die rund 3.000 Lichter des großen Weihnachtsbaumes, der Wahrzeichen des Marktes ist, glitzern vor der romantischen Kulisse des neugotischen Rathauses.
Alljährlich lassen sich die Münchner und ihre Gäste aus nah und fern in der guten Stube der bayerischen Landeshauptstadt vom altbayrischen Charme dieses stimmungsvollen Traditionsmarktes verzaubern.
Dieser klassische Christkindlmarkt gilt als der älteste Münchens. Er ist das Original und der beliebteste in der Stadt, wie eine Studie der Hochschule München festgestellt hat.
Die Anfänge des Christkindlmarktes sollen mit den so genannten Nikolausmärkten bereits im 14. Jahrhundert liegen. Zum ersten Mal erwähnt wird 1642 in den Annalen der Stadt eine Nikolaidult in der Kaufinger Straße beim Schönen Turm, die wahrscheinlich bereits seit Beginn der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts abgehalten wurde. Im Gegensatz zu den anderen Münchner Dulten und Jahrmärkten durfte dieser Markt, der am 5. und 6. Dezember stattfand, nur von Münchner Händlern beschickt werden. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts siedelte die Nikolaidult auf den heutigen Promenadeplatz um. „Oberammergauer Ware und Nürnberger Lebkuchen, baumwollene Kinderkleider, Kripperlfiguren und Kaminfeger
aus Zwetschgen und Mandeln, Nikolaus-, Nonnen- und Einsiedlerbildchen“ gehörten – wie der Chronist Michael Schattenhofer herausfand – zum Sortiment des Nikolausmarktes von 1805. Dieser Markt – nun auf dem Max-Joseph-Platz – gilt als Vorgänger des heutigen Christkindlmarktes. „Auch ist der uralte Nikolaimarkt abgebracht und statt dessen ein Christmarkt nach protestantischer Art ... am Residenz- oder Max-Joseph-Platz verlegt worden“, notiert Lorenz Westenrieder am 6. Dezember 1806 in seinem Tagebuch.
Unter Einfluss der Aufklärung und der wachsenden Bedeutung des Protestantismus zu Beginn des 19. Jahrhunderts fand nun in München statt, was in anderen Gegenden und Städten wie Nürnberg und Straßburg bereits im 16. Jahrhundert sich vollzog: der Wechsel vom Nikolaus zum Christkind als Gabenbringer und damit auch von Nikolaus- zum Christ- oder Weihnachtsmarkt. Der Münchner Christkindlmarkt, wie der Weihnachtsmarkt liebevoll
genannt wird, hatte im Laufe seiner Geschichte von 1806 an viele Standplätze:
1806 auf dem Dultplatz, dem heutigen Maximiliansplatz
1886 - 1938 in den Anlagen vor dem Sendlinger Tor bis in die Sonnenstraße
1938 in der Blumenstraße an der Stelle der ehemaligen Schrannenhalle
1939 auf dem Mariahilfplatz in der Au,
1940 auf dem Platz der 1938 abgerissenen Synagoge an der Maxburgstraße,
nach 1945 am Hochbunker in der Blumenstraße
seit 1972 auf dem Marienplatz im Herzen der Stadt.
Das Warenangebot hat sich in den über 200 Jahren, die seither vergangen sind, nicht grundlegend geändert. Lebkuchen und Zwetschgenmanderl, Holzwaren aus Oberammergau, Südtirol und dem Erzgebirge und alles weitere, was zur Advents- und Weihnachtszeit gehört, wird heute in über hundert Buden rund um den Marienplatz angeboten. Auch die Papierbildchen finden sich hier wieder und bringen nostalgischen Flair auf den Weihnachtsmarkt. Eine besondere Stellung nimmt am Münchner Christkindlmarkt der große
Bereich der Krippen und des Krippenzubehörs ein. Der so genannte
„Kripperlmarkt“ am Richard-Strauss-Brunnen in der Fußgängerzone gilt als der wohl größte in Deutschland. Große orientalische Prunkkrippen oder alpenländische Minivarianten werden ebenso zum Verkauf angeboten wie garantiert bruchsichere Krippenfiguren aus täuschend holzähnlicher Plastikmasse. Von der Laterne für den Stall über die Spreu für Ochs und Esel bis zu den Gaben der Heiligen Drei Könige findet sich hier alles, was für eine echte Krippe
benötigt wird. Der Kripperlmarkt am Münchner Christkindlmarkt hat eine lange Tradition. Diese Spezialabteilung separierte sich bereits Mitte des 19. Jahrhunderts als eigenständiger Krippenmarkt, der vom ersten Adventssonntag bis Dreikönig dauerte. Erst nach dem Zweiten
Weltkrieg wurden Weihnachts- und Krippenmarkt wieder vereint. Krippenbauer und solche, die es werden wollen, können sich von der historischen Stadtkrippe im Rathausprunkhof inspirieren lassen, die 1953 der Münchner Künstler Reinhold Zellner schuf. Zu einem genussvollen Bummel über den Christkindlmarkt gehört auch das Probieren kulinarischer Köstlichkeiten. Heißer Glühwein, Punsch und Feuerzangenbowle wärmen von innen, frisch gebrannte Mandeln und heiße Maroni von außen. Der verlockende Duft von Bratwürsten lädt zum Schlemmen ein. Süße Adventsspezialitäten wie Pfeffernüsse und Magenbrot gehören einfach zum Christkindlmarkt dazu. Jedes Jahr ist die feierliche Eröffnung des Christkindlmarktes durch den Münchner Oberbürgermeister ein Ereignis, das die Münchnerinnen und Münchner auf den Marienplatz zieht. In diesem Jahr eröffnete Christian Ude am Montag, 25. November, um 17 Uhr den traditionsreichen Münchner
Christkindlmarkt. Der fast 30 Meter hohe Christbaum erstrahlt seitdem in voller Pracht.
Auch das hat Tradition: Der Weihnachtsbaum wird jedes Jahr von einer anderen Gemeinde gestiftet, kommt aus der Ferne nach München. 1809 ließ Königin Karoline, die zweite Gemahlin von König Max I, zum ersten Mal einen geschmückten Christbaum im Hof der Münchner Residenz aufstellen. Als protestantische badische Prinzessin brachte sie
wahrscheinlich schon 1799 den Brauch aus ihrer Heimat mit.



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